SCIENCE. Eine Reihe von Lectures und Vorträgen zur Uraufführung der Abendsonne, kuratiert von Isabelle Gustorff und Jury Everhartz. An allen Vorstellungstagen jeweils vor der Vorstellung.

Limits - The Great Learning.
Eine Reihe von Lectures und Vorträgen zur Uraufführung der Abendsonne, kuratiert von Isabelle Gustorff und Jury Everhartz. An allen Vorstellungstagen jeweils vor der Vorstellung. Alle hier genannten Veranstaltungen sind frei zugänglich.

17.11.2025 18.30 Uhr
Ars moriendi
Univ. Prof. em. Dr. Thomas Macho
Kulturwissenschaftler und Philosoph, ehemals Direktor des Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Die Lehre von der ars moriendi, der Kunst und Praxis des guten Sterbens, gilt spätestens seit der Antike als wichtiges Element der Lebenskunst. Sie legt das Fundament für alle Versuche, eine Allianz von sterblichen Menschen zu bilden, die weder sich selbst noch ihre gewählten Herrscher mit Göttern verwechseln. Vielmehr gehört das Wissen um die eigene Sterblichkeit, vielleicht sogar die meditative Vorwegnahme des eigenen Todes, zu den Praktiken souveräner Bürgerinnen und Bürger. Die ars moriendi gleicht daher keinem Totstellreflex, sondern eher einer Unabhängigkeits-erklärung. Sie ist "Vorbedenken der Freiheit", bemerkte Michel de Montaigne. Denn wer "sterben gelernt hat, hat das Dienen verlernt. Sterben zu wissen entlässt uns aus jedem Joch und Zwang." Der Kulturwissenschaftler und Philosoph Thomas Macho kommentiert die ars moriendi, die spätmittelalterliche Literatur zur Vorbereitung auf einen guten Tod, unter Bezug auf verschiedene Beispiele aus der Kunstgeschichte. Dabei wird es auch um die Frage gehen, inwiefern die Künste das christliche Versprechen der Auferstehung und eines ewigen Lebens transformiert haben: „Sind es spätestens im Zuge der Aufklärung und Säkularisierung nicht mehr die Körper, sondern die Kunstwerke, die einen Anspruch auf Unsterblichkeit erheben dürfen?"

Thomas Macho forschte und lehrte als Professor für Kulturgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin. 1984 habilitierte er sich für das Fach Philosophie an der Universität Klagenfurt mit einer Arbeit über Todesmetaphern. Von 2016 bis 2023 leitete er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) der Kunstuniversität Linz in Wien. 2020 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie seit 2023 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zu seinen neuesten Monographien zählen „Warum wir Tiere essen" und „Sehen ohne Augen".

Künstler / Mitwirkende
Univ. Prof. em. Dr. Thomas Macho
CONTENT
Programm / Ablauf
  • 18:30 -
    19:30
    Vortrag LIMITS
  • 19:30 -
    21:30
    Vorstellung ABENDSONNE (UA)
Eintrittspreisliste (Preise ohne Gewähr)
Kategorie Preis
Eintritt frei
Ticketlinks
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