Limits - The Great Learning
SCIENCE. Eine Reihe von Lectures und Vorträgen zur UrauffĂĽhrung der Abendsonne, kuratiert von Isabelle Gustorff und Jury Everhartz. An allen Vorstellungstagen jeweils vor der Vorstellung. Alle hier genannten Veranstaltungen sind frei zugänglich.Â
16.11.2025 18.30 Uhr
Orpheus ohne Unterwelt. Aus der Spitalshölle
Dr. phil. Franz Schuh
Schriftsteller, Kritiker und akademischer Lehrer, Universität für angewandte Kunst Wien
Wie die meisten Menschen befasse ich mich mit der sogenannten Endlichkeit: „Woans amoi aus wird sei, mit einer Musi und an Wei“, singt man im Wiener Lied, das - wie soviel Wienerisches -eine Mogelpackung ist: Das Lied gibt vor, den Tod ernst zu nehmen, taucht ihn aber in Sentimentalität darüber ein, dass man eh noch besoffen am Leben ist.
Aber wer sollte an den Versuchen, die Endgültigkeit zu kompensieren, Kritik üben? Wozu gäbe es dann Wissenschaft, Kunst, Religion und, ja, sogar den banalen Alltag, in den Menschen wie in einem Schutzschild eingehüllt sein können?
In meinem letzten Buch: „Steckt den Sand nicht in den Kopf“ steht ein kurzer Aufsatz, geschrieben aus persönlicher Erfahrung: „Wie man eine schwere Krankheit übersteht.“ Etwas fiel mir auf, vor allem durch das Angebot, in diesem Rahmen hier einen Vortrag über „die Dinge des Lebens“ halten zu dürfen. Ich hatte über Leidenschaft (im Sinne von Patient- und Kranksein) schon früher nachgedacht, als ich noch „relativ ganz gesund“ war.
Für den Vortrag habe ich Überlegungen und Notizen gesammelt und den Text, anlassgebunden, zusätzlich erweitert. Ein Schluss: Krankheit und Genesung sind (ebenso wie ihre Reflexion, wie die Nachdenklichkeit, die sie auslösen) komplexe Vorgänge, die sich in unserer Spätmoderne besonders schwer beschreiben lassen: Wir haben ein „Gesundheitssystem“, den Kranken stehen Ärzte gegenüber, manchmal stehen sie ihnen auch entgegen.
Patienten können sich ihrerseits auch den Ärzten widersetzen – man sollte den Mann nicht vergessen, der wegen einer nicht verheilten Prostataentzündung den Urologen erschoss. Daran sieht man, wie „gesellschaftlich“ definiert Krankheit sein kann: Die Tat ist ein hässlich leuchtendes Fanal, ein Feuerzeichen des Patriarchats.
Franz Schuh wurde am 15. März 1947 in Wien geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Philosophie, Geschichte und Germanistik an der Universität Wien. 1975 promovierte er zum Dr. phil. Seine akademische Laufbahn führte ihn unter anderem an das Institut für Philosophie der Universität Wien, wo er als Lehrbeauftragter tätig war.
Parallel zu seiner wissenschaftlichen Arbeit entwickelte Schuh eine vielseitige publizistische und literarische Tätigkeit. Er war Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung, Redakteur der Literaturzeitschrift Wespennest und später Programmleiter beim Verlag Deuticke. Als Essayist, Kolumnist und Autor wurde er einem breiteren Publikum durch seine Beiträge in Medien wie Profil, Falter, Die Zeit und dem Radiosender Ö1 bekannt.
Sein literarisches Werk umfasst Essays, Romane und autobiografische Texte, darunter Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche, Fortuna, Lachen und Sterben sowie Memoiren. Ein Interview gegen mich selbst. Charakteristisch für seine Texte ist eine Verbindung von philosophischer Reflexion, gesellschaftlicher Analyse und persönlicher Erfahrung, oft getragen von Ironie und Skepsis.
Franz Schuh wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik (2006) und dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln (2011). Er lebt und arbeitet in Wien.
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18:30 -
19:30Vortrag LIMITS -
19:30 -
21:30Vorstellung ABENDSONNE (UA)
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|---|---|---|
| Eintritt frei |