llein dem Vorbehalt geschuldet, dieses Werk nicht so eins zu eins mit Goethes Drama in Verbindung bringen zu wollen. Steht doch in dieser Opéra lyrique ein junges Mädchen im Zentrum, das an die große Liebe glaubt, verführt wird und daran zerbricht. Umkreist wird es von mehreren Männern,die ihre unterschiedlichen Sehnsüchte und Fantasien in dieses ahnungslose Wesen hineinprojizieren: Faust träumt von Erkenntnis, Jugend und Leidenschaft, Mephistopheles beobachtet sie mit kaltem Voyeurismus, ihr Bruder Valentin betrachtet seine Schwester dagegen als Statussymbol und Eigentum; die aufrichtigen Gefühle Siebels verhallen im Nichts. Gounod hatte sich bereits während seines Italien-Aufenthalts (1839-42) mit dem Faust-Stoff und Goethes Drama, das auch in Frankreich überaus populär war, näher beschäftigt, ehe er vom Direktor des Théâtre Lyrique den Auftrag erhielt, eine neue Oper auf der Basis von Goethes Drama zu schreiben. Gounod machte sich zwar 1857 mit Feuereifer an die Arbeit, doch die Uraufführung verzögerte sich noch über zwei Jahre bis zum 19. März 1859. Es war dies noch eine Fassung mit gesprochenen Dialogen, wie es zu dieser Zeit gemäß dem Napoleonischen Theaterdekret aus dem Jahre 1807 vorgeschrieben war, denn die durchkomponierten Werke in französischer Sprache waren dem Théâtre de l’Opéra vorbehalten. In dieser Dialogfassung wurde die Oper allein am Théâtre Lyrique über dreihundertmal gespielt. Heute kennt man dieses Werk freilich nur noch in der erweiterten und mit Rezitativen versehenen Fassung, die Gounod nach dem Bankrott des Théâtre-Lyrique für die Pariser Oper geschrieben hat und die auch in der Kammeroper gespielt wird.

Besetzung

Musikalische Leitung: Giancarlo Rizzi
Inszenierung: Nikolaus Habjan
Ausstattung: Denise Heschl, Jakob Brossmann
Licht: Franz Tscheck

Faust: Quentin Desgeorges
Mephistopheles: Dumitru Mădăraşăn
Marguerite: Jenna Siladie
Valentin: Kristján Jóhannesson
Marthe Schwertlein: Juliette Mars
Siebel: Ghazal Kazemi
Wagner: Benjamin Chamandy
Puppenspielerin: Manuela Linshalm

Orchester: Wiener KammerOrchester
Mi. 23.10.2019
19:00
Wien
Kammeroper
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Mi. 30.10.2019
19:00
Wien
Kammeroper
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